Die Alten Herren auf den Spuren historischer Braukunst

Zu einem für uns ungewöhnlichen Termin fand die diesjährige Abschlussfahrt der Alten Herren statt. Nicht zu unserem angestammten Termin am Fronleichnams-Wochenende, sondern erst Anfang September machten wir uns auf den Weg. Als Ziel hatten wir uns das rund 250 KM entfernte Bamberg auserkoren.
Die Altstadt von Bamberg ist der größte unversehrt erhaltene historische Stadtkern in Deutschland und seit 1993 als Weltkulturerbe in die Liste der UNESCO eingetragen. Darüber hinaus ist Bamberg überregional bekannt für seine vielfältige Biertradition. Nicht zuletzt dieser Umstand hat den Ausschlag für die Wahl dieses Zieles gegeben.

Auch wenn es eine relativ kurze Anreise war, durfte unser kleines obligatorisches Frühstück nicht fehlen. Und so steuerten wir nach etwa 2 Std. Fahrt den Parkplatz eines Autohofs an der A70 an, um uns mit nordhessischen Leckereien zu stärken.

Augenmaß musste dann einige Zeit später bei der Einfahrt in die Tiefgarage im Bamberger Zentrum bewiesen werden. Der von Lucio organisierte VW-Bus durfte die angegebene Durchfahrtshöhe von 2 Metern nicht überschreiten. Dabei versuchte sich Otze als wenig ausgereifter „Parkpiepser“, denn sein kurzes „könnte klappen“ ließ doch ein wenig Zweifel an der Umsetzbarkeit der Aufgabe entstehen. Dennoch, es klappte!

Nach Aufnahme der noch von der Anfahrt verbliebenen Kaltgetränke schnappten wir unser Gepäck und suchten unsere Unterkunft, den Gasthof „Zur wilden Rose“ auf. Nach kurzer Belegung der Zimmer, einem frisch gezapften Kellerbier vor den historischen Gemäuern unseres Hotels und einem ersten Eis für Volker, ging es gemeinsam durch die Altstadt. Hierbei führte uns unser Weg zur Brauerei Schlenkerla, die für ihr Rauchbier bekannt ist. Bei dem „Genuss“ dieses Gebräus, dessen Geschmack stark an geräucherten Schinken erinnert, machte der ein oder andere ein Gesicht, wie die missgelaunte Bedienung dieser Lokalität.

Weiter ging es Richtung Michaelsberg. Hier hatte unser Orga-Team um Lucio, Otze und Jörg eine Führung durch das Brauereimuseum geplant. Auf etwa 4 unterirdischen geschossen werden zahlreiche Exponate geschichtlicher Brau-kunst zur Schau gestellt und von dem „Museumsführer“ ausgiebig erläutert. Mit jeder Etage, die man tiefer in den Kellergewölben drang, sank auch die Temperatur in den Gemäuern. Mit 8 Grad Celsius war der Tiefpunkt in einem ehemaligen Eisturm, der seinerzeit Eis für die Kühlung des in Fässern gelagerten Bieres bevorratete, erreicht. Nach etwa eineinhalb Stunden – hier hat uns Jörg eindrucksvoll bewiesen, wie man für das gleiche Geld, die doppelte Zeit rausholt – hatten wir genug vom Brauen gehört; jetzt wollten wir auch mal wieder probieren. Mangels Schankerlaubnis des die Führung ausrichtenden Vereins, begaben wir uns in einen nahegelegen Biergarten und nahmen unter Schatten spendenden Bäumen Platz. Zu unserer Überraschung trafen wir dort auf Bruni und Karl-Heinz Koch, die ebenfalls ein paar erholsame Tage genossen. Ein staubiger Fußweg führte uns am späten Nachmittag wieder zurück in die Altstadt.

Am Abend war für uns ein Tisch im Ambräusianum, im Herzen Bambergs, reserviert. Wohl bedacht durch unser Orga-Team, denn wie überall waren auch hier die Gasträume brechend voll. Nicht wenige griffen nach einem Blick in die Speisekarte zu einer Portion Schäuferla mit Kloß und Sauerkraut. Eine deftige Grundlage für die weiteren gemütlichen Stunden. Nach Verlassen der Traditionsbrauerei wähnte man sich im Sommerschlussverkauf, so voll waren die Gassen rund um die zahlreichen Gastronomiebetriebe. Im benachbarten Schlenkerla wurde das Rauchbier mitunter durch die offenen Fenster an die durstigen Gäste gereicht.

Der Samstagmorgen war noch früh, die Gassen noch wenig bevölkert, da war nach dem Frühstück noch etwas Zeit sich die Füße zu vertreten. Auf einer Brücke hatten Kinder bereits ihre Spielsachen ausgebreitet um mit deren Verkauf ihr Taschengeld ein wenig aufzubessern und auf dem Markt wurde zahlreich Obst und Gemüse angeboten. Saftige Äpfel, frische Erdbeeren aus der Region (!?) und Radieschen groß wie Tischtennisbälle. Eine Augenweide.

Etwas später führte uns der Weg aufs Wasser. Eine rund 80-minütige Schiffstour zeigte uns – vorbei an Kleinvenedig – ein wenig die Seiten rund um die Regnitz und den Main-Donau-Kanal, abseits des Touristenrummels. Eine entspannte Kahnfahrt, die aber nicht zwingend zu den Dingen gehört, die man in Bamberg unbedingt einmal gemacht haben muss.

Bevor wir uns im Anschluss wieder den kulinarischen Dingen des Frankenlandes zuwenden konnten, stand quasi die Königsetappe auf dem Programm. Ziel war der Spezialkeller. Auf dem Weg dorthin wurde einem klar, warum man in Bamberg gelegentlich auch „man geht auf den Keller“ sagt. Denn, nicht wie gemeinhin üblich hinab, sondern ordentlich hinauf ging es die schmalen Gassen, bis der Biergarten auf dem Stephansberg erreicht wurde. Dort angekommen, erwartete uns nicht nur ein toller Blick über die Stadt, sondern auch Lucios Sohn Manuel mit einem kleinen Snack. Zum Leidwesen einiger Teilnehmer hatte auch der Spezialkeller lediglich Rauchbier im Angebot, allerdings in der etwas gemäßigteren Form im Vergleich zum Schlenkerla. Zur Not tut es dann halt auch mal eine Cola.

Am Nachmittag machten sich 10 Kameraden auf die Suche nach einem Minigolfplatz. Nach einer kleinen Wanderung durch den schön gelegen Theresienhain und diversen Nachfragen bei der einheimischen Bevölkerung, erreichten wir diesen dann auch. Offenbar erweckten wir die bis dato verwaiste Anlage aus seinem Dornröschenschlaf. Denn kaum hatten wir unsere in zwei Gruppen aufgeteilte Wettkampf-Spielrunde begonnen, gesellte sich eine Reihe weiterer Golffreunde zu uns. Leider war der schön gelegene Platz nicht sonderlich gepflegt; insbesondere die Toilettenanlage hatte sicherlich schon bessere Zeiten gesehen. Das sollte aber unserem Spaß an der Sache und dem Ehrgeiz, besser als die andere Gruppe abzuschneiden, keinen Abbruch tun. Deutliche 218 Schläge zu 240 stand es am Ender der 18 Bahnen. Für wen? Egal!

Der Weg zurück zu unserer Unterkunft ließ zeitlich gesehen noch einen Abstecher in den Biergarten Bootshaus zu, wo über den einen oder anderen ge- bzw. misslungenen Schlag noch einmal gefachsimpelt werden konnte.

Da für den Abend grundsätzlich kein gemeinsames Abendessen im Vorfeld vorgesehen war, teilten wir uns auf. Während eine Gruppe ihr Glück in einem einheimischen Restaurant versuchte, nahm ein anderer Teil den bereits am Mittag reservierten Tisch in der spanischen Tappas-Bar Bolero ein. Die dort gereichten Tappas, Paella und Sangria waren mal eine willkommene Abwechslung zu Schäuferla und Rauchbier. Gemeinsam ausklingen ließen wir den Abend dann im gemütlichen Biergarten des Bolero.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem letzten Eis für Volker – die Eis zwischen dem ersten und dem letzten habe ich hier aus Rücksicht auf die Privatsphäre unerwähnt gelassen – machten wir uns am Sonntagmorgen wieder auf den Weg gen Heimat.

Stephan Wagener

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